© Claus-Dieter Böhm
Historie der “Anstalt”:
   Der Hainer Hof, ein Freihof, war Mittelpunkt von Hähnlein, als das Dorf 1333 erstmals erwähnt wurde. Zwischen 1504 und 1600 kam das Hofgut in die Hand des Landgrafen von Hessen, der es dann in den Geldnöten des 30-jährigen Krieges verkaufen musste. Von nun an sind hohe hessische Staatsdiener Besitzer des Hofes, die jeweils von allen bürgerlichen Lasten befreit waren.    Erster Besitzer war der Hofmaler Cornelius Draud (1639-1664). Nach dem Tode seiner Frau ging das Gut auf den Kammerrat Johann Daub und schließlich an dessen Sohn Justus über.    General von Prettlack, der im Besitz mehrerer Güter in Südhessen war, kaufte das Hofgut und ließ es 1717 herrschaftlich ausbauen.    Von den Prettlackschen Erben erwarb 1749 der Hessische Kanzler Kilian von Schwarzenau das Anwesen; ihm gehörte auch das Hofgut zu Bickenbach.    Das Hähnleiner Gut ging an Amtmann Pistor von Seeheim  über. Pistor verkaufte das Gut für 30.000 Gulden an den berühmten Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (*1762; † 1836). Hufeland, der Universitätsprofessor in Jena und später Leibarzt Friedich Wilhelms von Preußen und der Königin Luise war, wollte in Hähnlein seinen Alterssitz nehmen. Nach Trennung von seiner Ehefrau erhält sie das Hofgut und nahm Ihren Wohnsitz in Hähnlein. Nach und nach veräußerte sie den Besitz, verkaufte schließlich das Herrenhaus an Georg Nikolaus Gerhard aus Hähnlein. Von diesem wurde es dann vom Schreinermeister Newenhagen aus Darmstadt erworben.    kaufte der großherzoglich hessische Ordensritter und Major der Kavallerie Freiherr Kaspar von Villiez das Gut. 1827 bittet der Kammerherr, eine landwirtschaftliche Lehranstalt errichten zu dürfen.    erwarb das „Komitee der Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder“ das Gut für 7550 Gulden. Johann Hinrich Wichern hatte einen Evangelischen Landesverein für Innere und Äußere Mission gegründet. Dieses Gremium beschloss 1849 die Gründung eines Rettungshauses für verwaiste und schwer erziehbare Jungen. Mit dem Hofgut fand man die passenden Gebäude.    Die Kaufsumme kam durch Spenden und Sammlungen zusammen. Grundstock bildete mit 54 Gulden eine Kollekte nach einer Predigt Wicherns in Darmstadt. Im März 1851 kam der erste Zögling und am 11.Juni 1851 erfolgte die Einweihung. Damit begann eine weithin bekannte und anerkannte pädagogische Arbeit.    Zum 10-jährigen Bestehen kam mit Ihrer Königlichen Hoheit Frau Prinzessin Karl von Hessen nebst Prinzessin Anna Großherzogliche Hoheit prominenter Besuch aus Darmstadt, der Hofkaplan hielt die Festpredigt.   Das Knabenerziehungsheim, das als Gut geführt wurde, bewirtschaftete 1932 an Ackerland 10,5 ha, hatte 8 ha Wiesen und ca. 1,7 ha. Weiden. In den Ställen standen 2 Pferde, 5 Kühe, 3 Rinder und 10 Schweine. Damit war es in jener Zeit der größte landwirtschaftliche Betrieb in Hähnlein. Neunzig Jahre bestand dieses Rettungshaus für gefährdete Kinder. Für die meisten Zöglinge war es trotz oder wegen des strengen Erziehungsalltags auch die Grundlage für eine erfolgreiche Rückkehr ins „normale“ Leben.    Diese wertvolle pädagogische Arbeit musste 1939 unter dem Druck der Nationalsozialisten abgebrochen werden.    Die Gemeinde Hähnlein erwarb das Knabenerziehungsheim mit sämtlichen Gebäuden und einem Teil des angrenzenden Feldes. Bürgermeisterei, Fortbildungsschule, Lehrerwohnung und sämtliche Dienststellen der NSDAP sollten in das ehemalige Erziehungsheim verlegt werden. Das Schulhaus der Anstalt stellte die Gemeinde der Kirche zur Verfügung.   In den Jahren nach dem  2. Weltkrieg durchlebte „Die Anstalt“ ab 1945 auch wechselvolle Belegungen mit entsprechenden Umbauten. Wohnungen mussten zunächst als Flüchtlingsunterkünfte eingebaut werden, die von insgesamt 17 Mietern genutzt wurden. Auch betreuten 3 Zahnärzte hintereinander von 1949-1967 in diesem Gebäude ihre Patienten.    Die Gardinenweberei Firma Wölfel nahm hier ihren Neuanfang nach der Vertreibung  aus dem Sudetenland von 1947-1949.    Ein Raum wurde als Turnsaal genutzt. Im Keller war die Kleiderkammer des Roten Kreuzes eingerichtet. Ein Schneider und eine Friseurin betrieben ebenfalls in der „Anstalt“ ihre Geschäfte.    Das Gebäude diente bis 1977 in drei Räumen als Rathaus für Hähnlein. Heute befindet sich darin die Außenstelle der Gemeindeverwaltung und das Trauzimmer.    Die Feuerwehr hatte im ehemaligen Schlafsaal der „Anstalt“ einen Schulungsraum. Räumlichkeiten stehen auch der Gemeindebücherei und dem Roten Kreuz zur Verfügung.    Anlässlich der 650-Jahr-Feier übernahm ab 2. Juni die ”Arbeitsgruppe Hähnleine Geschichte” für eine Ausstellung einige Räume im Obergeschoss und baute diese Stück für Stück zum Museum aus. Neben der Dauerausstellung wurde der Bevölkerung jährlich mindestens eine Sonderausstellung präsentiert. Höhepunkte u.a.: -  „Feuerwehrausstellung“ -  „Hähnleiner Musikanten“ -  „Ziegenzucht in Hähnlein“  (mit lebendiger Ziege) -  „Historische Kaffeemaschinen“ -  „Konfirmation – gestern und heute“ -  „Hähnleiner Kerb“ -  „Kartoffelbrei und Stampes“ -  „Geschichte des Knabenrettungshauses“ -  „Hähnlein, Tor zur Welt“ – Zum Eisenbahnhaltepunkt Hähnlein-Alsbach -  „Jubiläum – 20 Jahre Museum in Hähnlein“ - „Lange Nacht des Hähnleiner Museums“ - „ Blick nach Alsbach“ – Fotoausstellung.    Weitere Räumlichkeiten kamen in den nächsten Jahren hinzu. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Hähnleiner Geschichte“ beschlossen 2006 ihre Arbeit zukünftig  als Museumsverein für Alsbach und Hähnlein fortzusetzen.  Ab 2008 erfolgte die Generalrenovierung des Gebäudes im Rahmen des Hessischen Dorferneuerungsprogrammes. Das Museum musste vollständig geräumt werden. Die Exponate konnten zum großen Teil im leerstehenden Verwaltungsgebäude der Firma Intersnack (Wolf Bergstraße) zwischengelagert werden.       Feierliche Wiedereröffnung der „Anstalt“ am 22.März 2009. Mit neuer Konzeption nimmt der Museumsverein Alsbach-Hähnlein seine Arbeit wieder auf.
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